Ich komme (wie immer) zu spät ins Café und schon beim Betreten des Hauses rieche ich exotische Gewürze und bekomme eine Ahnung dessen, was dort zum späten Frühstück auf dem Tisch steht. Der Tisch biegt sich förmlich unter den Köstlichkeiten, die Stühle reichen nicht für alle Besucher. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei und mir wird gleich ein Stuhl frei gemacht und ich tauche ein in ein Gespräch mit meiner Sitznachbarin.
Im Frühjahr haben wir unser Café nach einer gründlichen Renovierung des Raumes eingeweiht. Die Idee dahinter ist, Müttern unserer Jumpers-Kids, die gern Kontakt zu uns Mitarbeitern haben, eine Plattform zum Austausch zu geben. Wir hatten dabei nicht nur Mütter/Väter der Kids im Blick sondern auch Nachbarn und Freunde.
Zunächst haben wir uns 1x/Woche nachmittags bei laufendem Kinderbetrieb getroffen. Viele, vor allem geflüchtete Frauen kamen und hatten ganz konkrete Anliegen wie Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, übersetzen, Anrufe bei Behörden. Für uns als Mitarbeiter bedeutete das immer, im Gewusel zwischen den Kids und den Müttern zu agieren und den anderen Kids aus dem laufenden Betrieb zu erklären, warum sie nicht ins Café dürfen.

Nach dem Sommer war klar: So geht es nicht weiter! Also beschlossen wir, das Café an  einem Vormittag zu öffnen. Und zu hoffen, dass die Frauen trotzdem kommen. Einige gehen vormittags zur Schule, um Deutsch zu lernen. Seit Oktober treffen wir uns vormittags und merken, wir sind auf dem richtigen Weg! Dadurch, dass nur noch kleine Kinder mitkommen, ist es entspannter. Es kommen auch andere Frauen und Männer aus der Nachbarschaft; es ist Raum für Aktivitäten: So haben wir gemeinsam gefrühstückt (sehr lecker), waren künstlerisch tätig und die Adventszeit reicht gar nicht aus für die Dinge, die die Frauen gern machen möchten…
(Sigrun Brinschwitz)

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