„Das kann ich nicht!“, blickt mich ein 12-jähriges Mädchen entrüstet an. Sie hat gerade eine halbe Tüte Chips auf unserem Fußboden verteilt und ich habe ihr daraufhin den Staubsauger in die Hand gedrückt. „Natürlich kannst du das; du bist 12 Jahre alt!“, versuche ich zu vermitteln. „Nein, ich habe das noch nie gemacht. Zuhause macht das immer meine Mama!“

Solche und ähnliche Begebenheiten begegnen uns in letzter Zeit immer häufiger. Da ist der 15-jährige Schülerpraktikant, der es nicht gelernt hat, einen Apfel in Stücke zu schneiden oder die 16-Jährige, die mit der Düse nach oben staubsaugt. Auch die Jugendlichen, die bei uns Sozialstunden ableisten, müssen zunächst die einfachsten Grundtätigkeiten lernen: den Tisch abwischen, den  Boden kehren und wischen oder eben staubsaugen sind Dinge, die viele bei Jumpers das erste Mal erledigen. „Wir wollen Kinder stark für ein selbstbestimmtes Leben machen.“ – So steht es in unserer Konzeption von Jumpers Salzgitter.

Wir möchten Kindern und Jugendlichen einen Raum geben, wo sie positive Erfahrungen sammeln können und lernen, ihr Potenzial zu entfalten. Dazu gehört neben der Übernahme von Verantwortung (wenn ich etwas dreckig mache, mache ich es wieder sauber) auch die Erfahrung von Selbstwirksamkeit (die Chipstüte ist mir zwar heruntergefallen, aber ich kann ganz schnell alles wieder in einen ordentlichen Zustand bringen). So klein diese Dinge auch zunächst zu sein scheinen, so machen sie doch Kinder Schritt für Schritt stark. Und so holt mich auch das 12-jährige Mädchen nach kurzer Zeit in den Raum zurück und zeigt mir stolz, wie sauber alles geworden ist. „Das hab ich ganz alleine gemacht!“, strahlt sie mich an.

So haben wir in Salzgitter bewusst den Schwerpunkt im Februar auf den Alltag gelegt, um uns bewusst auch Zeit für solche kleinen Schritte zu nehmen. Kleine Schritte, die eben manchmal ganz groß sind.

Markus Gruner – Projektleiter Salzgitter

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