Bei Jumpers Gera besuchen uns täglich Kids zwischen 5 und 17 Jahren. Diese große Altersspanne birgt viel Potenzial und beinhaltet verschiedenste Bedürfnisse. Für unsere Jugendlichen gab es im Mai eine wichtige Neuerung. Wie wir euch schon oft berichtet haben, stehen wir mit ihnen immer wieder vor besonderen Herausforderungen. Wie jeder Jugendliche suchen sie nach ihrer Identität, nach ihren Grenzen, Werten, sie rebellieren gern und suchen Liebe. Das ist oft nicht ohne Weiteres mit den Bedürfnissen der jüngeren Kids vereinbar. Deswegen sind wir diesen Monat einen weiteren Schritt für und mit den Teenagern gegangen – wir haben gemeinsam mit ihnen ihren eigenen Raum gestrichen. In der Vorbereitung war ich begeistert, denn alle Jugendlichen, die ich ansprach, wollten bei dem Arbeitsnachmittag helfen. jumpers_einsatz_geraTatsächlich packten dann zehn Jugendliche an. Sie räumten den Raum aus, diskutieren über Farbe und Schablonen, strichen die Wand und ihre Pullover. Da blieben kleinere Konflikte, Tränen aber auch gemeinsames Lachen nicht aus. Die Jugendlichen brachten die Arbeit zum Abschluss und am Ende waren sie stolz auf ihre Leistung und „ihren“ Raum.

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Das Ergebnis kann sich sehen lassen

Vor ein paar Tagen stürmen Nick, Marco und Miguel zu Tür herein: „Annette, dürfen wir in den Jugendraum?“ „Ich denke, das geht“, überlege ich. Wir vier Mitarbeiter müssen uns gut aufteilen auf die Räume und Aktionen. Parallel zu unserem Spieleraum-Angebot und dem täglichen Workshop geben wir Musikunterricht, Hausaufgabenhilfe und Nachhilfe. Aber heute ist noch zusätzlich ein Ehrenamtlicher da. „Wart ihr wieder in der Elster?“, frage ich die Jungs, während ich „ihren“ Raum aufschließe. „Ja, der Fluss ist noch kalt.“ Sie drehen die Musik auf, schmeißen sich auf die Couch und einen kleinen Ball durch die Luft und grölen laut mit.  Seit sie in unserem Fluss in Gera, der Elster, baden (der noch viel zu kalt dafür ist), sind sie mehr ausgepowert und scheinen entspannter, wenn sie hier ankommen. Das nächste Lied im Radio dichten sie etwas um und brüllen den Text, in wunderbarem Gera-Dialekt mit (eigentlich: „Hör auf die Stimme“): „Hör auf die Mutti, hör was sie sagt, sie war immer da…“. Ich lache und freue mich über das entspannte Miteinander. Hoffentlich wird dieser Raum ganz oft ein Ort des Friedens, der Herausforderungen und des Angenommen-seins für die Jugendlichen werden. Damit die Jugendlichen mit ihren speziellen Sorgen, mit ihrem Suchen und ihrer Power Raum haben, um sich zu entfalten und wachsen zu können.
Leider hatten wir diesen Monat auch ein etwas trauriges Erlebnis. Unsere 11-jährige Sandra kommt zuhause nicht mehr zurecht und wird in Zukunft in einer Wohngruppe, weit außerhalb von Gera, leben. Zu ihrem Abschied hatte ihre Mutter einen Kuchen gebacken und wir saßen alle beieinander. Wir hoffen, dass Sandra viel von dem, was sie bei Jumpers erfahren durfte, mitnehmen kann. Sie ist ein wunderbares Mädchen und es wäre schön, wenn sie dies niemals vergisst, sich geliebt weiß und immer Menschen trifft, die dies bestärken.
(AS)

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