Katrin* zögert. Soll sie wirklich den Brief so abschicken? Doch als ihre Tochter ihr dies bestätigt, sendet sie ihn ab. Ein paar Tage später erzählt sie mir die Geschichte. Franziska hat zu Weihnachten einen Gutschein von ihrem Vater bekommen. Dieser sucht allerdings schon lange keinen Kontakt mehr. Der Papa hat eine andere Frau, welche ein Kind (Lilli*) hat. Den Gutschein nimmt sie nicht an und sagt: „Den kann er behalten, der hat sich so lange nicht um mich gekümmert, jetzt braucht er auch nicht mehr anfangen.“ Und sie schreibt einen bösen Brief an den Papa zurück.

„Du bist der blödeste Papa, den ich kenne. Kümmere dich lieber um Lilli*. Die hast du sowieso viel lieber als deine eigene Tochter. Gib ihr doch den Gutschein.“ Als ich die Geschichte höre, schmerzt mein Herz.
Das ist, was  eine Kinderseele fühlt. Das sind die Gefühle eines 12-jährigen Mädchens, welches schon viel Schmerz erfahren hat.
Da ist dieses Verschwinden des eigenen Vaters, was tiefe Wunden in der Persönlichkeitsentwicklung hinterlässt. Und was sich nicht so einfach wieder gutmachen lässt.

Aber genau das ist der Punkt, wo Gott den Kindern zusprechen möchte, dass sie wertvoll und geliebt sind. Wo er Wunden heilen möchte. Wir können es nicht mehr rückgängig machen. Der Schmerz ist da, aber so viel mehr wünschen wir uns, dass Kinder von dieser überwältigenden Gottesliebe erfahren und Wunden geheilt werden. Dafür wollen wir uns von Herzen einsetzen.

Dankbar haben wir das neue Jahr begonnen und eine neue Praktikantin dazubekommen. Moe kommt aus Südafrika und wird 1,5 Monate bei uns sein. Die Verständigung mit den Kids und Eltern ist nicht ganz leicht, da Moe nur Englisch spricht, aber die Kinder haben sie von Anfang an sehr herzlich willkommen, mit ihr getanzt und gespielt. Sprachbarrieren hin oder her, Kinder schaffen es immer wieder, Andere einfach zu akzeptieren und zu integrieren.

Ein tolles Highlight war eine Talente-Wettbewerbsshow mit DJ Otti, einem Teenie und fleißigen Mitarbeiter aus unserem Stadtteil.

Mit Jury und Teams mussten sich die Kids in Singen, Tanzen, Kreativität und Durchhaltevermögen beweisen. Fazit: das wollen wir auf jeden Fall wieder machen.

Wir freuen uns auf die nächsten Wochen, in denen noch weitere neue Praktikanten unsere Arbeit bereichern werden. (S. Haufe)

About the author