Von Brian Houston, Pastor an der Hillsong Church, Sydney
Wir müssen nicht lange suchen, um zu realisieren wie viel Not und Ungerechtigkeit in unserer Welt ist. Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung lebt von 2 $ pro Tag und etwa eine Milliarde Menschen können weder lesen noch ihren Namen schreiben, 850 Millionen Menschen hungern jeden Tag und alle fünf Sekunden stirbt ein Kind an Unterernährung. Geschätzte 15 Millionen Kinder haben einen Elternteil oder beide Eltern durch AIDS verloren.

Wir haben auf unseren verschiedenen Reisen nach Uganda aus erster Hand die gewaltigen Ausmaße gesehen, die HIV/AIDS auf eine Bevölkerung haben und ganze Generationen haben. Zugleich durften wir aber auch mutige Menschen erleben, die sich um Witwen und Waisen kümmerten. Die unglaubliche Not treibt uns fast in die Resignation oder dahin, sprachlos und tatenlos zu werden. Psalm 41,1 sagt: „Gesegnet ist, wer der Armen gedenkt…“ Meine Frage ist: „Tun wir das?“ Ich frage mich, wie viel Zeit du damit verbringst an die Armen zu denken? Ist der Arme nur der Obdachlose auf der Straße irgendeiner Stadt oder ein Hungernder in Afrika? Vielleicht siehst du in deiner Umgebung keine Armut – also gibt es sie nicht?

Der Armen zu gedenken ist die Verantwortung von Christen und es ist eine Verantwortung, die von einem Versprechen begleitet wird. Wenn wir Psalm 41 weiter lesen: „Gesegnet ist, wer der Armen gedenkt; der Herr wird ihm in Zeiten der Not helfen. Der Herr wird ihn schützen und ihn am Leben erhalten und er wird gesegnet sein auf Erden. Er wird nicht dem Willen seiner Feinde ausgesetzt sein. Der Herr wird ihn stärken auf seinem Krankenbett.“ Und Sprüche 19,17 sagt: „Wer mit den Armen mitleidet, leiht dem Herrn!“ Auch wenn es nicht unsere Motivation zur Hilfe sein sollte, dass wir selbst etwas bekommen, so haben wir die Wahrheit dieser Verse oft erlebt. Unsere Leidenschaft und Großzügigkeit gegenüber Waisen, Witwen, Fremden und Armen bewegt Gottes Herz.

Es gibt keinen Zweifel, die Bibel hat weit mehr über unsere Einstellung gegenüber den Armen zu sagen als über viele andere Themen, die wir als Leiter diskutieren. Hier kommen verschiedene Abwehrmechanismen, die wir schnell an den Tag legen:

1. „Gute Gründe“ Im Gleichnis vom Barmherzigen Samariter (Luk 10,30-37) erzählt Jesus die Geschichte eines beraubten und attackierten Mannes, der halbtot auf der Straße zurück bleibt. Jesus stellt die Reaktion der beiden frommen Männer, die an der Not vorbeilaufen, der Reaktion des Samariters gegenüber, der anhält und hilft. Ich bin sicher, die beiden Vorbeiläufer würden mir gute Gründe nennen, um ihre Inaktivität zu rechtfertigen. Vielleicht mussten sie zu einem wichtigen Meeting oder mussten zur Bank oder noch schnell zum Supermarkt bevor er schließt. Vielleicht dachten sie auch, dass es einfach nicht ihre Aufgabe wäre zu helfen. In ähnlicher Weise können wir eine Fülle von Entschuldigungen vorbringen, die uns davon abhalten, den Armen zu helfen. Wir können uns hinter unserer Geschäftigkeit verstecken, unserem Mangel an Zeit oder unserer gefühlten Distanz zum Problem. Das ist nichts anderes als die Straßenseite zu wechseln angesichts offensichtlicher Not. Tatsächlich sagt dieser Umgang mit der Not sehr viel über unsere Prioritäten und über das, was und wer wir sind. Die Bibel warnt uns vor den Konsequenzen eines Lebensstils, der die Armut ignoriert. Sprüche 21,13 sagt: „Wer die Ohren vor den Schreien der Armen verschließt wir ebenfalls schreien und nicht gehört werden“ und Sprüche 28,27 führt weiter aus, dass „der der Armen gibt, keinen Mangel leiden wird, aber wer seine Augen davor verbirgt, wird viel erleiden.“ Wenn wir auf die Not antworten und geben, wird Gott uns nicht im Stich lassen, sondern so versorgen, dass wir keine Not leiden, sondern weiter geben können.

2. (Vor-)Urteile Ignoranz kann uns dazu führen falsche Urteile über Arme und weniger Privilegierte zu fällen. Es kann uns tatsächlich dazu führen, dass wir eigentlich von den Armen verachtet werden, weil sie unsere Motive durchschauen. Lass es mich erklären. Sprüche 28,11 sagt: „Ein Reicher meint weise zu sein, aber ein verständiger Armer durchschaut ihn.“ Ich denke, dass viele, denen es schlechter geht, Überlebensstrategien entworfen haben. Diese Fähigkeit, diese Lehrzeit auf der Straße, kann ihnen auch helfen, zwischen guten und schlechten Motiven zu unterscheiden, verurteilende Statements und Floskeln zu erkennen, aber auch die mit einem mitfühlenden Herz. Lass es nie zu, dass ein richtender Geist mit seinen Vorurteilen deine Hand am Helfen hindert.

3. Moralin Warst du schon einmal in der Situation, dass dir das Gefühl vermittelt wurde, du würdest nicht genug für die Armen und ihre Verhältnisse tun, vielleicht von Leuten, die meinen sie hätten das „Mitleid“ gepachtet? Sie können die Wohlhabenden verhöhnen und moralisch und kritisch beurteilen, was andere gegen die Armut tun, um sich selbst emporzuheben. Großzügigkeit ist fantastisch. Aber wenn sie versucht, glanzvoll und viel beachtet daher zu kommen, dann ist sie leer und unattraktiv und wie gesagt, unsere Motive werden durchschaut. Wir brauchen einen Geist der Kooperation und eine Einstellung die sagt: Kommt, lasst uns gemeinsam einen Unterschied machen und die Not anpacken! Nun, da wir die Eigenschaften aufgezeigt haben, die unser Herz am Helfen hindern, lasst uns überlegen, was wir tun können:

1. Baue dein Leben zum Segen für andere Wir leben für Gottes Reich und als Teil seiner Kirche, wir alle sind Teil in Gottes Plan für Menschlichkeit. Unser Christlicher Glaube sollte nie nur so viel haben, um einen, unseren Tisch zu decken – nein, es ist der Glaube und die Art zu leben, die Essen auf den Tischen anderer verteilt. Lasst uns daran bauen, dass unser Leben zum Segen wird für andere Menschen.

2. Sei Teil einer größeren Bewegung Alleine können wir etwas tun, gemeinsam sehr viel. Ein Teil einer Kirche zu sein, die die Vision hat, Segen für andere zu sein und ganz und gar hinter dieser Vision zu steht, ist genial und so viel mehr als nur ein Einzeltäter zu sein. Da liegt Stärke in Zahlen, wenn sich viele aufmachen, um gemeinsam Großes zu erreichen.

3. Praktiziere überall Großzügigkeit Ich glaube nicht, dass Großzügigkeit einfach so kommt oder da ist. Ich glaube es liegt eher in der menschlichen Natur Dinge zurückzuhalten für sich selbst. Ich denke, wir müssen den Egoismus herausfordern und eine Kultur bauen, die überall Großzügigkeit praktiziert. Es kann ein Lächeln oder ein nettes Wort gegenüber der Kassiererin sein oder ein Geschenk für jemanden, der eine harte Zeit erlebt. Lass dich nicht von der Großzügigkeit an Finanzen, Worten, Zeit und Taten zurückhalten – von nichts. Wenn es zu einer gelebten Selbstverständlichkeit im täglichen Leben wird, dann werden wir kein Problem haben, großzügig zu leben.

4. Halte Freundschaft mit Menschen, denen es schlechter geht Überall um uns herum leben Menschen, denen es weniger gut als uns geht. Manchmal drehen wir so sehr um uns selbst, dass wir die Realität echter Not gar nicht wahrnehmen. Warum entscheiden wir uns nicht heute, Freundschaft zu leben mit Menschen, denen es deutlich schlechter geht als uns? Ich rede nicht von einer Freundschaft „von oben herab“, als dürfte sich der andere glücklich schätzen, mich als Freund zu haben. Nein, eine Freundschaft, die dich glücklich macht, weil du mitfühlender und verständiger wirst. Bist du dazu bereit? Lasst es uns gemeinsam entscheiden, wenn wir unsere Vision planen und bauen, dass wir als Christen und Gemeinden einen deutlichen und nachhaltigen Unterschied markieren wollen im Umgang mit Armut und Not. Wir wollen uns dazu verpflichten Ungerechtigkeit und Armut von allen Seiten zu bekämpfen und ihre Existenz nie als einfach unauflöslich gegeben zu akzeptieren.

Dieser Artikel wurde geschrieben und veröffentlicht auf www.brianandbobbie.com . Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Hillsong Australien.
Übersetzt von Thorsten Riewesell.

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