Jumpers Team Gera

Vor einer Weile war ich zur „Langen Nacht der Wirtschaftslöwen“ im Technologie und Gründungszentrum in Gera. Ich habe nach Unterstützern für MENSCH gesucht. Dabei komme ich in einen Raum mit einer Leinwand und beobachte jemanden bei einer Computer-simulation.

Einer Computersimulation mit VR-Brille – einer Virtual Reality Brille. Das, was die Person sieht, sehe ich auf der Leinwand. Erst läuft sie eine Straße entlang, besteigt einen Fahrstuhl, fährt in den 50. Stock eines Hochhauses. Die Fahrstuhltür öffnet sich, da ist ein dünner Metallbalken, der aus dem Haus herausragt.

Aufgabe der Person: Auf den Balken laufen und in der virtuellen Realität vom Hochhaus springen. Das war schon spannend zuzuschauen. Irgendwie.

Aber ich habe es selbst nicht probiert, sondern bin weitergezogen, und hab jemand Verantwortliches gesucht. Schließlich treffe ich die Chefin, eine sehr freundliche Frau, mit der ich ein herrliches Gespräch habe. Sie fragt mich schließlich, ob ich die VR-Brille ausprobiert hätte. Ich sage: „Nein, sieht aber spannend aus.“ Sie meint: „Sie müssen das probieren. Ich habe es auf der Leinwand gesehen und dachte mir, dass es nichts weiter ist. Aber als ich es selbst gemacht habe, hatte ich weiche Knie.“ „Ok“, denke ich, „gut, dann probiere ich es auch“. Ich setze also die VR-Brille auf, was irgendwie cool ist, denn plötzlich fühle ich mich mitten auf einer Straße in einer riesigen Stadt. Mein gesamtes Sichtfeld wird von der Brille eingenommen. Auch ich besteige den Fahrstuhl und bin begeistert, wie leicht sich diese Computersimulation von mir steuern läßt. Ich fahre in den 50sten Stock, die Fahrstuhltür öffnet sich und ich bin tiefenentspannt. Doch dann soll ich nach draußen auf den schmalen Balken treten und ich muss zugeben, ich habe richtig Angst. Ich versuche mir zu sagen: „Stephanie, das ist nicht real. Du stehst auf dem Teppichboden vom Gründungs- und Technologiezentrum.“ Aber was ich sehe, beeinflusst so stark meine Wahrnehmung, dass ich mich gegen die Angst zu springen nicht wehren kann. Schließlich rutsche ich an den Rand des Balkens und falle auch irgendwie. Ja, mit sehr weichen Knien.

Bei meiner Rede zum Meilensteinfest von MENSCH am 30.01.2018 in Gera habe ich gesagt, dass ich uns einen Abend wünsche, an dem wir uns als Teil von etwas Großem fühlen. Ich bemerke aber, dass viele Menschen in einer Art virtueller Realität leben. Und damit meine ich nicht, dass sie ständig auf ihr Handy schauen. Sondern ich meine, dass ihre Wahrnehmung und ihre Sicht der Dinge von etwas eingenommen ist, dass gar nicht der Realität entspricht und sie dann Angst davor haben, bestimmte Dinge zu wagen, die eigentlich kein Problem wären. Ich hatte so Schiss davor, diesen einen Schritt nach rechts zu machen, weil mir die virtuelle Realität vorgespielt hat, ich würde dann aus dem 50. Stock eines Hochhauses fallen. In Wirklichkeit habe ich einen Schritt nach rechts gemacht auf dem Teppichboden des Gründungs- und Technologiezentrums. Nichts wovor man Angst zu haben bräuchte.

Was halten wir für Realität? Was halten die Schüler des MENSCH Programmes für Realität? Dass die 5 in Mathe aussagt, dass sie zu dumm für dieses Fach sind und vielleicht sogar zu dumm für einen guten Job? Was halten die Eltern für Realität? Dass aus der Familie niemand ‚Glück‘ im Leben hatte und es den eigenen Kindern deshalb genauso ergehen wird? Was halten die Mentoren für Realität? Dass sie zu uncool für die Teenager sind, nur weil es beim 1. Treffen noch nicht wie geschmiert lief?

Was glauben wir über uns selbst? Was glauben wir über andere? Und was entspricht wirklich der Realität? Ja, es mag pathetisch klingen und vielleicht sogar übertrieben. Aber ich glaube daran, dass es die Realität ist, dass zum Meilensteinfest im Penta Hotel großartige Menschen zusammengesessen haben. Und ich glaube, dass wir – gemeinsam – einen wichtigen Beitrag dazu leisten, der Stadt Gera und ihren Menschen Gutes zu tun.

Durch meine Mentees habe ich in den letzten Jahren unglaublich viel über mich selbst und das Leben gelernt. Und eine meiner Mentees wiederum schrieb mir gestern: „Also, ich denke, das Projekt hat mich bis jetzt viel selbstbewusster gemacht. Du hast mir wirklich geholfen und nicht nur in der Schule sondern auch privat.“

Das ist MENSCH für mich. Ein Programm in dem wir uns gegenseitig dabei helfen, unsere Großartigkeit wahrzunehmen. Wir uns helfen, mehr über uns selbst zu lernen, Grenzen zu überwinden, Ausdauer zu haben, Geduld miteinander zu haben usw. Der eine hat Zeit um sich ehrenamtlich zu investieren, der andere hat Geld, um zu unterstützen, der nächste hat Wissen oder bestimmte Güter.

Ich wünsche mir, dass noch mehr Menschen Teil davon werden. Z. B. indem sie Mentor oder Mentorin werden oder indem sie uns einmalig oder regelmäßig mit Geld unterstützen. Und ich danke allen, die bereits Teil davon sind!

Stephanie Mittelbach – Projektleiterin MENSCH Gera

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